Propellerguide?

Die theoretische Geschwindigkeit (Vorschub des Propellers ohne Schlupf) wie in den Propellerguides, errechnet sich aus:

v = (s x n x 60) / 1000000,

wobei s für die absolute Steigung des Propellers in mm steht (= Durchmesser mal Steigungsfaktor), und n für die Propellerdrehzahl in U/min.

Aus der Erfahrung zeigt sich, dass man bei Mono-Rümpfen mit einem Gesamtwirkungsgrad von ca. 70% und bei Hydro-Rümpfen von ca. 80% rechnen kann. Extrem gut abgestimmte Boote (z.B. fürs SAW) erreichen bis zu 90%.

Warum Metallpropeller?

Die meisten Rennboote werden zu Anfang mit Graupner Carbon Propeller bestückt und sind hiermit auch zumeist gut unterwegs. Der Propeller ist das einzige Bauteil, dass die Motorkraft ins Wasser überträgt und damit für die Fahrt sorgt. Daher ist es nahe liegend, dass es Propeller gibt, die dem Boot eine bessere Fahrt ermöglichen. "Besser" soll hier nicht nur auf die Geschwindigkeit bezogen sein, sondern auch auf Fahrzeit und Fahrlage, wobei das eine nicht durch andere ausgeschlossen sein muss!

Mit dem großen Programm der Metallpropeller wird dem Rennbootbesitzer ermöglicht, sein Boot weiter zu optimieren. Da sich die Metallpropeller auch in weiten Bereichen individuell (zum Boot) anpassen lassen, sind hier unzählige Möglichkeiten gegeben, ein Optimum zu erreichen.

Zudem sind die Metallpropeller durch das Material sehr Verwindungssteif, wodurch sie die Motorleistung definierter und verlustfreier ins Wasser übertragen können.

Wie suche ich den passenden Propeller aus?

Grundsätzlich sollte man mit einem relativ kleinen und steigungsarmen Propeller beginnen und sich dann an an die optimale Abstimmung herantasten, indem man größere Propeller austestet. Hierbei muss immer die Motortemperatur und Fahrzeit kontrolliert werde. Wer hat, sollte zudem eine Geschwindigkeitsmesseinrichtung (z.B. GPS) und eine Strommesseinrichtung mitlaufen lassen.

Motor/- Propellerkombinationen vorzuschlagen macht oft wenig Sinn, da jedes Boot hierauf anders reagiert und auch der Welleneinbau sowie die Bootstrimmung entscheidenden Einfluss auf die Propellerwahl haben.

Hier etwas Grundsätzliches:
- Leicht gleitendes Boot: hohe Lastdrehzahl, relativ kleiner Propeller mit hoher Steigung.
- "Nass" laufendes Boot: mäßige Lastdrehzahl, relativ großer Propeller mit niedrigerer Steigung.

Zudem muss die Charakteristik der Propellertypen berücksichtigt werden. Diese ergibt sich durch Blattform, Blattanzahl und Steigung. Hieraus resultiert für jeden Propeller ein charakteristisches Schub-Lift-Verhältnis. Wobei sich hoher Lift auch in einer großen Tendenz zum Propwalk (Drehmomenteinfluss) äußern kann.


Die Charakteristika der gebräuchlichsten Propeller:

Octura
Serie X
Die Universalpropeller von Octura ( besonders X4). Sehr gut für Hydros, viel Lift durch die große Blattfläche, viel Schub, bei drehmomentschwachen Motoren allerdings oft eine kleine Anfahrschwäche. Teilweise relativ hohe Stromaufnahme (besonders bei 3-Blatt). Lassen sich sehr gut individuell abändern.
Serien 17,19,20,21
Oberflächenpropeller mit einem sehr eigenwilligen Verhalten. Kurz gesagt: "Geht wie der Teufel - oder geht gar nicht!" Hier ist die passende Rumpfauswahl und Trimmung das A und O um mit diesen Propellern glücklich zu werden. Sehr stark liftend!
Serie V
Spezielle SAW-Propeller von Octura. Der Steigungsfaktor beträgt 1.9. Durch einen sehr hohen Rake-Winkel und ein sehr schmales cleaverähnliches Blattdesign liften diese Propeller trotz der hohen Steigung kaum. Nur für sehr leicht gleitende Boote zu empfehlen.

Prather
Relativ hohe Steigung (1.5-1.6). Sehr gut geeignet für einmotorige Katamarane (z.B. Drifter- Serie) und Monos. Eine gute Alternative für Carbon- Abstimmungen. Die Blattform und Steigung schwankt etwas innerhalb der Größenabstufung. Die Propeller gibt es in Bronze (B 2xx) oder in Stahl (S 2xx).

Graupner Carbon (K)
Der Universalpropeller! Für nahezu alle Einsätze geeignet. Relativ wenig Lift und nachlassender Schub bei hohen Drehzahlen aufgrund des relativ geringen Steigungsverhältnisses (ca. 1.2-1.4) und der Nachgiebigkeit der Blätter.

H&M/Hopf-Hydro (Staudt)
Gut geeignet für leichte Hydros die wenig Lift benötigen oder leichte Monos. Ähneln in Form und Charakteristik den Graupner Carbon Propellern. Steigung ca. 1.3. Können in gleicher Durchmessergröße wie Carbon oder größer gefahren werden.

PropShop
Serie 14E

Ähneln in ihrer Form der Octura X4-Serie und besitzen in etwa auch deren Verhalten.
Cleaver
Der typische PropShop. Schubpropeller mit typischerweise sehr hoher Steigung (1.6-2.1). Hervorragend für hohe Drehzahlen und hohe Geschwindigkeiten. Sehr ausgeglichenes Schub-Lift-Verhalten.

ABC
In Deutschland noch relativ neu und selten. Die neue H-Serie ist u.A. besonders für Elektro-Antriebe geeignet. Durch die Steigungsabstufungen 1.4, 1.6, 1.8 ist für nahezu jeden etwas dabei. Es gibt viele Typen auch mit drei Blättern und auch Linkslaufend. Die Propeller besitzen eine Cleaver-Form mit relativ kleinen Blattflächen und einer sehr markanten Profilierung. Nach ersten Tests eine echte Konkurrenz zu PropShop, allerdings sind die Propeller mit Steigung 1.6 und 1.8 mit drei Blättern recht "tricky" im Handling. Sie neigen sehr stark zum Propwalk, haben eine Anfahrschwäche und liften teilweise auch recht stark.
Achtung: Das Blattdesign ist zwischen 2-Blatt und 3-Blatt recht unterschiedlich.


Charlier / SuperProps etc.
Achtung: Nur für volltauchende Antriebe (FSR F1, F3, Eco...), soweit nicht mit H gekennzeichnet.

Beispiele für Metallpropeller:

Vergleich Octura X452/3 und 1752/3

Obwohl beide Propeller den gleichen Durchmesser (52 mm) und die gleiche Blattanzahl haben, sehen sie doch sehr unterschiedlich aus. Der X452/3 besitzt sehr große Blattflächen mit den charakteristisch großem Vorblatt ("Ohren") der X-Serie. Hierdurch besitzt dieser Typ sehr viel Lift. Die Blätter des 1752/3 hingegen haben hingegen die typisch halbkreisförmige Cleaver-Form ohne Vorblatt. Auch dieser Propeller besitzt viel Lift, hier jedoch durch die hohe Steigung und dem fehlenden Rake-Winkel (auf dem Bild leider nicht zu erkennen). Beide Propeller sind für große Hydroplanes bestens geeignet.

Octura V-Serie


Hier sieht man die oben angesprochenen speziellen SAW-Propeller von Octura. Das Bild zeigt einen V955/3. Besonders auffällig ist in der Seitenansicht der hohe Rake-Winkel. Das ist der Winkel den die Blattkante zur Nabe bildet.
Ein hoher Rake-Winkel reduziert den Lift und sorgt mit einem entsprechenden Blattdesign für erhöhten Vorwärtsschub.

Prop Shop 4518 und 4518/3

Wieder ein Cleaver Vertreter. Diesmal als 2-Blatt und 3-Blatt-Variante. Durch die hohe Steigung (1.8) ist dieser Typ besonders für hohe Drehzahlen geeignet.  Diese Propeller sollten möglichst mit 0° Wellenneigung gefahren werden. Der 3-Blatt dürfte typischerweise etwas mehr Lift besitzen.

Prather S245

Dieser Propeller besitzt nicht mehr seine Originalform. Ihm wurden die Vorblätter verkleinert und die Schnittkante bekam einen weicheren Verlauf. Propeller dieser Form laufen relativ neutral (wenig Lift) und eignen sich gut für Monos und Katamarane.

 

ABC H 2316/3

Dies ist ein 3-Blatt-Vertreter der neuen H-Serie von ABC. Auffällig sind die schmalen Blätter und die abfallende Abrisskante. Auch die Schnittkante hat eine sehr markante Wölbung. Die Propeller laufen sowohl auf Monos, als auch auf Katamaranen und Hydroplanes. Das Anfahren ist zumeist etwas problematisch (viel Schlupf/Kavitation), aber wenn der Prop packt geht es zumeist recht zügig vorwärts.

Zum Abschluss, ein Teil meiner eigenen Propellersammlung mit Props der Firmen PropShop, Octura, Prather und ABC.

Legende:

1: PropShop 5017/3
2: PropShop 5019/3
3: ABC H 2118/3
4: Octura X455/3
5: ABC H 2316/3
6: PropShop 6017/3
7: PropShop 6014E/3 Custom
8: Prather S235
9: ABC 57x93

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